Essstörungs-Netzwerk Berlin

Anorexia nervosa ("Magersucht")

Mit "Anorexia nervosa" wird eine psychiatrische Erkrankung bezeichnet, bei der eine ausgeprägte Störung des Essverhaltens und nachfolgend eine extreme Gewichtsabnahme vorliegen. Betroffen sind vorrangig Mädchen und junge Frauen, doch auch Männer können an Magersucht erkranken. Aufgrund der massiven, selbst herbeigeführten Gewichtsabnahme drohen bei magersüchtigen Patientinnen sehr ernsthafte Komplikationen, die einen stationären Klinikaufenthalt oft unumgänglich machen.

Woran lässt sich eine Magersucht erkennen?

Im Mittelpunkt des Krankheitsbildes steht die Störung des Essverhaltens. Die Betroffenen haben große Angst davor, dick zu werden und halten ihr Gewicht bewusst deutlich unter der altersentsprechenden Norm. Dies erreichen sie durch

Magersüchtige haben infolge des extremen Hungerns deutliches Untergewicht, die Gewichtsabnahme geht nicht selten bis zur völligen Auszehrung (Kachexie).

Bei Magersüchtigen ist das Verhältnis zum eigenen Gewicht, zur eigenen Figur und die Körperwahrnehmung tiefgreifend gestört. Für die Diagnose einer Anorexia nervosa sind die nachfolgenden Kriterien wesentlich:

Bei Magersüchtigen ist, trotz der körperlichen Einschränkung, oft eine extreme Leistungsorientiertheit und ein Hang zum Perfektionismus zu beobachten. Ihre Fähigkeit zu intensiveren Kontakten und emotionalem Austausch ist demgegenüber eingeschränkt, sie leben oftmals in sozialer Isolation, haben sich bereits zu Beginn oder im Laufe der Erkrankung mehr und mehr zurückgezogen. Das Verlangen nach Sexualität ist meist gering, vielfach sogar mit Angst besetzt. Die häufig zu beobachtenden ausgeprägten Stimmungsschwankungen und die depressive Verstimmtheit (mit ausgeprägter Traurigkeit oder ein Gefühl innerer Leere) sind teilweise als eine direkte Folge des Untergewichts und des körperlichen Mangelzustands anzusehen. Oftmals finden sich jedoch darüber hinaus gehende komorbide, d. h. psychische Begleiterkrankungen, insbesondere affektive Erkrankungen (Depressionen, Angsterkrankungen) oder Zwangserkrankungen, gelegentlich auch Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.

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Welche körperlichen Folgen und Komplikationen kann Magersucht nach sich ziehen?

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Häufigkeit und Verbreitung der Magersucht (Epidemiologie)

Das höchste Erkrankungsrisiko haben junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, in dieser Risikogruppe erkranken von 100 000 Frauen zwischen 50 und 75 pro Jahr. In bestimmten Hochrisikogruppen ist die Häufigkeit (Prävalenz) deutlich höher (z.B. Balletttänzerinnen, Hochleistungssportlerinnen). Das Verhältnis in der Häufigkeitsverteilung Mädchen/junge Frauen zu Jungen/jungen Männern beträgt für die Anorexie etwa 10-20 zu 1, d. h. es erkranken ca. 10-20 mal mehr Frauen als Männer an Magersucht.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ergibt dies 0,1 bis 0,6 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner und Jahr (die Anzahl neuer Erkrankungsfälle pro Zeiteinheit wird als Inzidenz bezeichnet). Das Erkrankungsrisiko während des ganzen Lebens (Lebenszeit-Prävalenz) beträgt für Frauen ca. 1 %. Die Anzahl von Patientinnen, die nicht das Vollbild einer Anorexie erreichen, aber dennoch eine klinisch bedeutsame Essstörungssymptomatik haben (sog. Partielle Essstörungssyndrome), liegt indes deutlich höher.

Jüngste epidemiologische Untersuchungen bestätigen einen Anstieg der Neuerkrankungen der Anorexie in den letzten fünf Jahrzehnten ausschließlich in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren; insgesamt ist - entgegen der weitläufigen Meinung - keine Zunahme der absoluten Häufigkeit der Anorexie innerhalb der Gesamtpopulation, wohl aber eine Verschiebung in jüngere Altersgruppen zu verzeichnen.

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Was sind mögliche Ursachen und Hintergründe der Erkrankung?

Entstehung und Aufrechterhaltung einer Magersucht werden als ein multifaktorielles, d. h. durch vielfältige Einflüsse bedingtes, komplexes Krankheitsgeschehen gesehen, bei dem individuelle psychische Faktoren mit biologischen, soziokulturellen und familiären Faktoren zusammenwirken.

Auslösesituationen der Erkrankung sind häufig reale oder phantasierte Trennungserlebnisse von den Eltern (z. B. erste alleinige Urlaubs-, Schüleraustausch- oder Aupair-Auslandsaufenthalte), der Verlust nahestehender Menschen (z. B. Tod der Großeltern) oder alterstypische Verunsicherungen im Rahmen erster erotischer Kontakte, Verführungssituationen oder Enttäuschungen.

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Wie lässt sich die Magersucht wirksam behandeln?