Essstörungs-Netzwerk Berlin

Bulimia nervosa ("Ess-Brech-Sucht")

Hauptmerkmal der Bulimie sind Kontrollverluste bei der Nahrungsaufnahme ("Fressattacken") mit nachfolgenden Maßnahmen, die einer Gewichtszunahme entgegenwirken sollen. Das selbst herbeigeführte Erbrechen als Mittel zur Gewichtsreduktion gab der Bulimia nervosa auch den Namen "Ess-Brechsucht", die Bezeichnung ist jedoch irreführend, da zum einen auch andere Maßnahmen zur Gegenregulation eingesetzt werden und zum anderen das Symptom "Erbrechen nach dem Essen" kein hinreichendes Kriterium zur Diagnose einer Bulimie ist. Der Begriff Bulimie ist an das Wort "limos", eine griechische Bezeichnung für "Hunger", angelehnt; "bou" wäre zu übersetzen mit "große Menge", "boul" bedeutet "Ochse", im ganzen also "Ochsenhunger". Im Gegensatz zu magersüchtigen sind an Bulimie erkrankte Patienten meist normal- oder idealgewichtig.

Woran lässt sich eine Bulimia nervosa erkennen?

Hauptmerkmal der Bulimie sind die wiederholten Heißhungeranfälle, meist gefolgt von inadäquaten, gegenregulatorischen Maßnahmen wie Erbrechen, Fasten, exzessivem Sport etc. Den Betroffenen gelingt es meist, die Erkrankung vor Angehörigen und Freunden zu verbergen, die Fressattacken finden heimlich statt. Nicht selten haben sie ihr Leben zwischen den Essattacken äußerlich gut im Griff und sind erfolgreich. Auf eine Essattacke folgt in der Regel ein tiefes Schamgefühl.

In vielen Verhaltensweisen und Einstellungen sind Patientinnen mit Bulimie den magersüchtigen vom Purging-Typ ähnlich, bei denen das Untergewicht für die diagnostische Zuordnung entscheidend ist. Bulimiekranke beschäftigen sich ebenfalls überdurchschnittlich viel mit ihrer Figur und ihrem Gewicht, die für ihr Selbstwertgefühl extrem wichtig sind.

Ähnlich wie bei der Magersucht finden sich auch bei Bulimie-Patienten häufig psychische Begleiterkrankungen, allen voran Depressionen oder Angsterkrankungen. Zwangssymptome (Zwangsgedanken oder -handlungen) sind bei Bulimieerkrankten zwar seltener als bei Anorektikerinnen, kommen aber auch hier bei bis zu einem Drittel der Betroffenen vor. Auch Suchterkrankungen (Substanzmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit), Persönlichkeitsstörungen (insbesondere vom emotional-instabilen "Borderline-"Typus) und selbstverletzendes Verhalten sind ebenfalls häufige Begleiterkrankungen bei Bulimie-Patienten.

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Welche körperlichen Folgen und Komplikationen kann Bulimie nach sich ziehen?

Das bulimische Essverhalten kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben: Durch Abführmittelmißbrauch können sich Durchfall und Verstopfung abwechseln, durch das Erbrechen drohen Elektrolytentgleisung und Mangelernährung, es kommt zu Kreislaufproblemen. Mit dem Wegfall des normalen Essverhaltens gehen häufig auch Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus´ einher, ausgeprägte Schlafstörungen, Nervosität und andere vegetative Symptome sind die Folge. Beim Erbrechen schädigt die Magensäure den Zahnschmelz, die Schleimhaut der Speiseröhre, die Speicheldrüsen können anschwellen ("Hamsterbacken"). Bei Übergängen zur Anorexie oder anorektisch-bulimischen Mischformen können potentiell sämtliche Komplikationen oder körperlichen Langzeitfolgen (Spätschäden) eintreten, die bereits in dem Abschnitt zur Magersucht beschrieben wurden (siehe dort).

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Häufigkeit und Verbreitung der Bulimia nervosa (Epidemiologie)

In den letzten beiden Jahrzehnten haben die Ess-Störungen in den Industriestaaten der Welt zugenommen, epidemiologische Untersuchungen führen diesen Anstieg vor allem auf eine Zunahme der Bulimie zurück. Da bulimische Patienten ihre Erkrankung in hohem Maße verheimlichen, ist es schwer, die Dunkelziffer zu benennen. Soweit sich das unter diesen Bedingungen feststellen läßt, ist von einer Häufigkeit von 2 bis 4,5 % in der Risikogruppe der 18- bis 35jährigen Frauen auszugehen.

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Was sind mögliche Ursachen und Hintergründe der Erkrankung?

Für die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer Bulimie sind mehrere Faktoren von Bedeutung, man spricht deshalb von einer "multifaktoriell" bedingten Erkrankung. Obwohl jede Krankengeschichte individuell unterschiedlich ist, finden sich häufig einige gemeinsame Merkmale unter Bulimiepatienten.
Folgende Umstände können die Entstehung einer Bulimie begünstigen:

Real erlebte oder phantasierte Kränkungen, die sich auf Aussehen und Gewicht der Betroffenen beziehen, stehen oft in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Beginn der Erkrankung und werden deshalb als potentielle Auslösesituationen gewertet. Dies gilt - analog zur Anorexie - auch für tatsächliche oder phantasierte Trennungserlebnisse von den Eltern (z. B. erste alleinige Urlaubs-, Schüleraustausch- oder Aupair-Auslandsaufenthalte), der Tod naher Familienangehöriger oder alterstypische Verunsicherungen im Rahmen erster, enttäuschender sexueller Kontakte.

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Wie lässt sich eine Bulimie wirksam behandeln?