Essstörungs-Netzwerk Berlin

Prävention von Essstörungen

Man unterscheidet zwischen der primären, sekundären und tertiären Prävention. Erstere zielt darauf ab, die Inzidenzraten zu verringern. Die Sekundärprävention beabsichtigt, eine Essstörung frühzeitig zu erkennen und die Krankheitszeit zu verkürzen. Bei der tertiären Prävention wird versucht, ein erneutes Krankwerden bzw. eine Chronifizierung zu verhindern.

Die genetische Krankheitsdisposition einer Person ist nicht beeinflussbar. Vorbeugende Maßnahmen sollten daher vor allem auf störungsbegünstigende Faktoren wie Unzufriedenheit mit dem Körper, mangelndes Selbstwertgefühl, Umgang mit gesellschaftlichen Idealen, Ernährungsverhalten usw. abzielen. Hierbei ist es notwendig, solchen Risikofaktoren schon frühzeitig bei Kindern und Jugendlichen durch das Vermitteln von Selbstsicherheit sowie durch Förderung individueller Ressourcen und Problembewältigung entgegenzuwirken, da in unserer Gesellschaft immer jüngere Teenager an Essstörungen erkranken.

Maßnahmen zur Prävention sollten dennoch nicht nur bei der Risikogruppe selbst, sondern auch bei Familien, Bezugspersonen, Kindergärten, Schulen und Sportvereinen ansetzen.

Mögliche und besonders wesentliche vorbeugende Strategien sind z. B. Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, Ernährungsberatung sowie ein sensibler Umgang mit Kindern und Jugendlichen bezüglich Bemerkungen zu ihrer Figur und ihrem Körper. Realisierung können diese Aspekte unter anderem in Workshops und Veranstaltungen für Jungen und Mädchen finden, in denen informiert, diskutiert und beispielsweise in Form von gemeinschaftlichem Kochen auch trainiert werden.

Forum für Prävention sollte dabei auch die Schule sein. Darüber hinaus erscheinen Angebote an Elternabenden und Gesprächsrunden zu Themen wie Essstörungen, gesunde Ernährung oder sozialer Druck des Schönheitsideals sinnvoll. Interessant und informativ erwiesen sich ebenfalls Gespräche mit Betroffenen.

Auf Seiten der pädagogischen Fachkräfte besteht die Möglichkeit der Fortbildung oder Multiplikatorenschulung, im Rahmen derer Wissen und Fähigkeiten erworben werden, um letztlich als Ansprechpartner für Erkrankte und Angehörige zur Verfügung zu stehen.

Empfehlenswert für Eltern ist, ihren Kindern dabei zu helfen auf Körpersignale wie Hunger und Sättigung angemessen zu reagieren. Daher sollte Essen, v. a. Süßigkeiten, nicht als Trost- oder Belohnungsmittel eingesetzt werden. Nehmen Eltern Appetitzügler, Abführ- oder Entwässerungsmittel ein, sollte darauf geachtet werden, dass diese den Kindern und Jugendlichen unzugänglich bleiben.

Die Erziehung sollte auf soziale Unterstützung, Entwicklung eines starken Selbstwertgefühls, das Geben von Sicherheit und Geborgenheit, die Möglichkeit zur freien Persönlichkeitsentfaltung, ein gutes Körpergefühl sowie gesunde Ernährung ausgerichtet sein. Es sollte dennoch angemerkt werden, dass Maßnahmen zur primären Prävention sich bisher nicht als effizient erwiesen haben, möglicherweise weil sie zu allgemein und ungerichtet waren. An spezielle Risikogruppen wie Leistungssportler gewandte Maßnahmen hingegen erscheinen effektiver (Herpertz-Dahlmann, 2003). Sekundärprävention kann durch u. a. rechtzeitige Diagnosestellung sowie frühe Einleitung einer Therapie zur Reduktion der Krankheitszeit führen. Eine ausführliche Rückfallprophylaxe stellt eine günstige tertiäre Prävention dar.